Leben im Schleudermodus

– dass überhaupt noch etwas funktioniert, haben wir denen zu verdanken, die Konstanz und Regelmäßigkeit einbringen – sie schränken sich in ihren persönlichen Vorlieben ein und ermöglichen erst, dass … ja dass … sich die Freiheiten der Boheme ergeben. Fair ist das nicht.

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Es ist September 2021 – es wirkt, als stündest du am Anfang – zwischen den Stühlen und Themen – und konntest dich nicht entscheiden – Geldleben oder Kunstwarten, du hast das nie entschieden und nun stehst du wieder vor diesen beiden Türen: Geldleben oder Kunstware –

Sie rennen dir irgendwann die Tür ein, dachtest du, heute ist es dir egal, deswegen sie bald vor der Tür stehen und dich fragen, wie du all das geschafft hast. Was hast du geschafft? Nun – mich. Und die, die sich kaum mehr erinnern wollen – dass sie mich brauchten, das zu schaffen, was sie geschafft haben: sich ein eigenes Werk aufbauen – das sie sich im Übrigen auch nur geliehen haben von ihrem Star – dieser Star sie selbst wurden, so sehr, dass sie sich von ihm emanzipieren wollten – was alles so Zeitgeistwünsche sind – sich emanzipieren – und später sitzt du hinter der Glasscheibe einer Tür, die sich nicht mehr öffnet.

Musste viel an Robert denken heute. Er ist schon fünf Jahre nicht mehr unter uns. Gestern erst bin ich all die Wege abgelaufen, die wir zusammen abliefen. Die Orte haben ihr Gesicht verschenkt, heute begegnen dir dort Leute einer selbsterfüllenden Aussage vom Laisser-faire, sie scheinen nichtmal mehr zu turteln oder zu flirten, sondern Statussymbol ihrer selbst zu sein dort vor dem Badhotel in der Oderbergerstraße – auffällig viele Kinderwagen wurden geschoben – Bürgertum, das das Bürgersein zu erlernen scheint.

Die Stadt entleert ihre sexy Seele und füllt sich mit den Plattitüden, die ich in ihr sehe.

Rosa Schnell

Nomen est Omen. Es ist nicht leicht, über sie etwas zu sagen, sie hält sich zurück. Den Verdacht, dass letzten Endes sie das Buch geschrieben hat, muss Micha eines Abends vor dem Fernseher neidvoll bestätigen. Dort sitzen Herr Dr. Brunner und weitere aus der Reihe wir urteilen, Sie lesen und loben das Buch von Rosa Schnell in höchsten Tönen. Das Buch heißt aber nicht Blunatek, wie von Micha vorgesehen, sondern „Schnell noch einen Imbiss ziehen.“ Sie macht sich lustig, folgert Micha daraus und will einmal mehr alles in sein Tagebuch aufnehmen.

Dass Rosa allerdings ihn und Simon und Rainer und Robert untereinander austauscht, macht die Sache nicht leichter. Und so kommen die Literaturkritikerinnen zu dem einhelligen Urteil, dass man sich schon auf die Figuren und die Erzählerinnenperspektiven einlassen muss, will man das Buch nicht einfach …

Unschwer zu erkennen. Micha hat das Spiel verloren. Das aber macht doch nichts, lieber Michael, dafür hat Rosa es gewonnen, und Simon hat auch etwas zurückbehalten und wir wollen nicht wieder alles auf die eigene Fahne malen, nicht wahr? Schreib einfach ein neues Buch.

Lieber Rainer. Nach dem, was ich seit Tagen verspüre, bin ich zum Ergebnis gekommen, dass es besser ist, wenn sich unsere Wege wieder trennen [eh sie nochmal zusammenfanden]. Es ist nicht recht, sich rundum zu belasten und die Fragen überhand werden zu lassen. Ich hoffe für Dich, dass Du Deinen Weg machst. Ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin in leichter statt schwerer Erinnerung sehen. Glaub‘ mir, es ist besser für beide – in Liebe Rosa.

Simon Steiner

Noch so einer, und das Buch droht in sich zu implodieren, ein Muttersöhnchen mit Künstlerattitüde. Es gehen einige stadtbekannte Performances auf sein Konto.

Da waren die Stühle am Alexanderplatz. Das vom Hochhaus heruntergeworfene Fernsehgerät (Grundig). Die Einkäufe an der Schönhauser Ecke Danziger. Zwanzig Leute bekommen eine Einladung und müssen von Ort zu Ort ziehen und Stadterfahrungen sammeln. Da war das malträtierte Klavier in der Kulturfabrik.

Simon und Rainer schließen sich zusammen und wollen eine Firma groß, größer, am größten werden sehen. Allein, sie haben keine Kunden.

Deswegen es aufs Familiäre umgemünzt wird. Robert als Projektentwickler beauftragt Simon und Rainer mit dem Wettbewerb unter dem Tiergarten. Den Umbau der Tunnelröhren zu einer Begegnungsstätte – auch hier. Leider unbezahlbar.

Blunatek. Das war die Idee des Michael Dom, sein erster Nickname im Netz.

Blunatek geht zurück auf Blue, und Tek wie Technik – Bluna Laluna war auch so eine Nummer im Netz damals, und wenn du mich nach dem Subtext fragst in diesem Buch: es ist der Wunsch Vater des Gedankens. Leider haben sich die Figuren in die Wirklichkeit verabschiedet.

Rainer Schmid

Wie der Name sagt: Rainer ist eher beratend tätig, er hat häufig schlechte Laune. Wenn jemand Ratgebender ist, darf er sich wundern darüber, dass niemand seinen Ratschlägen folgt.

Wie Robert auch ist Rainer durchaus kreativ, kann so einiges mit dem Computer und auch mit dem Klavier. Eine Rivalität wie aus dem Roman. Beide hatten sie ein Verhältnis mit Rosa, das ging zugunsten Roberts aus, da Robert aber in den Bereich der Metaphysik und Nebelwolken abtaucht, kann Rainer noch in sich hineinschmunzeln. Auch das nur kurz. Denn Rosa entscheidet sich für ein anderes Leben.

Ob Rainer das Buch verfasst hat, werden wir nie erfahren. Kann sein, muss nicht. Spielt nicht so eine Rolle, wie der Micha immer tut.

Robert Schnell

Robert hat das Jenseits aufgesucht und wie es sich gehört für einen Jenseitigen, hat er für die Zurückgebliebenen viele Fragen offen.

Was schuldet er dem Rainer, was dem Simon, offenbar hat er auch einige Millionen bei der Bank, die können mit solchen Ausfällen leben, einzutreiben wären nur die 1% von 1.5 Millionen, also knapp 15.000 – das machen sie in London wieder wett.

Ist schon eigenwillig, der Robert – mit seinen Patenten, die sich bestenfalls als Geschmacksmuster verkaufen lassen, heute aber fahren sie mehrfach auf der Spree als solarbetriebene Hausboote. Er wollte eher Richtung Luxusboote.

Von Robert wissen wir, er schreibt in einem anderen Buch ein Buch: Das von ihm und Rosa, nachzulesen in Brainberlin.

Da Robert liiert war mit Rosa, geborene Baldauf, heute Schnell, kommt auch Robert in die enge Wahl der Urheber für Blunatek. Er hätte das Buch allerdings „Wir sitzen alle in einem Bot“ genannt.

Michael Dom Dombrowski

Michael Dom Dombrowski.

Er tönt am lautesten herum, dass all dies er verfasst habe, demnach sein Ärger mit dem Agenten nicht schmerzfrei abläuft.

Michael, kurz Micha genannt, war Kellner in einer Szenebar und kennt sich aus mit seinen Freunden aus der sogenannten Boheme. Wir wissen, sie sitzen unter Kandelabern in ihrem Heimkino und verfolgen Serien, in denen sie sich wiedererkennen aus der Zeit, da es um hüftenge Lederhosen, Freunde der Nacht und alles Geschminkte in der Stadt ging.

Nun sind sie abgeschminkt und müssen sich gefallen lassen, dass man sie verhöhnt und auch abfällig nichtmal mehr beachtet. Das kommt alles ins Tagebuch. Hat er sich geschworen, der Micha. Es rächt sich nur nicht.

Der Agent Dr. Schlot – außergewöhnlich gerissen

Der Agent Dr. Schlot –

Er treibt dich, er treibt sich, die anderen, es sind die Sommerfeste, die in Erinnerung bleiben als stille Abmachung aller, sich gegenseitig zum Ausgang hinaus zu wünschen. Der Dr. Brunner hat eine Standardfrage: „Hat sich die Figur auch mal verliebt.“

Wir wissen nun auch, dass kein Buch ohne Herz, Schmonzette oder Mitleid auskommt, es kommt auch kein Buch ohne Humor oder Ironie aus – wenn es aber wie das von Micha alles auf einmal will, dann bleibt es Dr. Brunner, auch Dr. Schlot genannt (weil rauchend) freigestellt, die Manuskripte untereinander zu tauschen; es kann also kaum der Michael Urheber sein, sondern vielleicht doch der Simon oder der Rainer, der Leo, die Rosa.

Diese Typen echt jetzt. Selber schuld.

Urheberschaft bitte klären mit Clemens Verhooven – mein Liebling ist eh unterwegs

Picturerest:

Der Agent Dr. Schlot

Das Intro

Der Anfang war immer der Auskehrer bis jetzt, immer! Es geht nie über mehr als drei Seiten, schon ist die Geschichte nicht nur nicht erzählt, sondern an sich verzehrt.

Hast du erst versucht, einen Satz zu schreiben, den du wieder entfernen möchtest, rate ich dir, versuch gar nicht erst einen Satz zu schreiben, den du wieder entfernen möchtest.

Dies ist ein Projekt, korrekt, es muss nicht fertig werden, es arbeitet an sich weiter.

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